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Eine Goldmedaille die wir nicht verdient haben
22.08.2009
ImageSchade musste die Staffel an der WM in Ungarn so enden. Wir hatten ein hohes Ziel, waren auf dem Weg dieses zu verfehlen und trotzdem die ersten im Ziel. Von einem Sieg kann ich aber in keinem Fall sprechen. Gestern gab es andere Helden, die einem verletzten Läufer in Not geholfen haben: Gueorgiou, Nordberg und Smola. Ich finde das war beste Werbung für unsere Sportart. Sprechen wir also nicht von der Rangliste…

Für mich selbst war es ein sehr spezielles Rennen. Ich werde es wohl kaum einmal vergessen. Dazu gehören aber auch die langen Diskussionen nach dem Zieleinlauf. Was tut man in einer solchen Situation? Man kann nicht einfach eine Medaille zurückweisen. Wir hätten uns selbst disqualifizieren können, doch wem ist dann geholfen? Ist dies wirklich unsere Aufgabe oder sollte nicht vom Verband oder dem Organisator entschieden werden?

Ich wurde als 7. ins Rennen geschickt. Der Rückstand war bereits so gross, dass unser Ziel, die Goldmedaille, schon weit weg gerückt war. Ich hatte aber keine Zweifel, dass eine Medaille drinliegen konnte. Und dafür wollte ich kämpfen.
Ich fühlte mich physisch sehr gut und mir gelang ein guter Start. Ein kleiner Fehler zu Posten zwei kostete mich zwar einige Sekunden, doch nicht die Zuversicht. Beim Fünften war der Zeitverlust dann schon etwas grösser und so wurde ich wieder von Finnland und Grossbritannien eingeholt. In der Folge konnte ich mich läuferisch wieder absetzen. Plötzlich tauchte vor mir der erstgestartete Russe Khramov auf. Ich war sehr erstaunt und hatte den Eindruck, dass er nicht mehr voll lief. Ich überholte ihn dann auch relativ schnell und kam alleine zum Zuschauerposten. Der Lärmpegel war hoch und ich hörte, dass jemand rief ich sei in Führung.

Das konnte natürlich nicht sein. Trotzdem wurde ich etwas nervös. Ich überlegte, dass ich die Infos falsch aufgenommen hatte und versuchte weiter aktiv zu laufen.
Auf der Schlussschlaufe unterliefen mir zwei kleine Fehler und ich hatte ein komisches Gefühl auf dem Weg zum letzten Posten. Fragend lief ich die ersten Meter im Zieleinlauf. Wir haben gewonnen, der Speaker schreit. Die Freude meiner zwei Kollegen ist riesig. Ein Traum wird wahr!
Doch kurz nach der Ziellinie kann ich es nicht glauben. Mein erster Gedanke ist, dass ich ein Posten ausgelassen habe. Es kann nicht sein, dass ich so viele starke Läufer überhole ohne jemanden zu sehen. Doch alles ist in Ordnung. Wir haben gewonnen…

Bald darauf gibt es erste Gerüchte. Die Freude nimmt schnell ab. Was ist passiert? Ist jemand ernsthaft in Gefahr?

Weitere Teams laufen ein und kämpfen um die Plätze. Die Stimmung ist seltsam. Niemand weiss Bescheid, einige Gerüchte gehen um. Die Freude ist weg.

Nun beginne ich meinen Fuss zu spüren, den ich unterwegs angeschlagen habe. Eine Prellung, die hoffentlich bis zum Lauf am Sonntag wieder in Ordnung ist. Das Rennen ist zu Ende, aber die Diskussionen beginnen erst.
Lange haben wir uns beraten, was wir tun sollten. Am Ende einigten wir uns darauf, zum Organisator zu gehen und zu sagen, dass wir uns nicht als Sieger fühlten. Dieser wollte jedoch den Wettkampf werten. Mir selbst wäre es am liebsten gewesen, der Lauf würde annuliert. Über eine solche Goldmedaille würde ich mich sowieso nie freuen können. Wir hatten sie nicht verdient.

Mir ist es aber sehr wichtig, dass dies nun richtig verstanden wird. Ich hatte keine Ahnung vom Unfall und habe niemanden gesehen. Natürlich hätte ich angehalten und geholfen – es wäre mir viel lieber gewesen als so zu gewinnen! Von dieser Herrenstaffel soll die vorbildliche Tat in Erinnerung bleiben – die Rangliste ist nicht wichtig.