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Mässige Leistungen an den Weltcup-Läufen in Norwegen
29.06.2009
ImageNach dem Wochenende in Österreich und der Silbermedaille in der Mitteldistanz-Schweizermeisterschaft reisten wir mit dem Nationalkader für zwei Weltcup-Läufe nach Norwegen. Mit den Rängen 11 (Mitteldistanz) und 10 (Jagdstart, Langdistanz) kann ich nicht ganz zufrieden sein. Vor allem im zweiten Rennen lief es alles andere als optimal.



Sprint Feldkirch

Einen Tag vor der Mitteldistanz-Schweizermeisterschaft fand in Feldkirch ein Sprint-Wettkampf statt. Obwohl fast alle der besten Schweizer und Österreicher am Start standen, waren die Leistungen nicht durchwegs gut. Viele fanden in diesem Rennen, das weder zum Cup noch als Meisterschaft zählte, nicht den richtigen Einstieg und verloren früh viel Zeit. Besonders die zu dünn gezeichneten Hecken machten vielen Läufern Mühe. So kam es dass ich trotz Fehlern noch gewinnen konnte – etwas das nur selten möglich ist. Der Lauf machte Spass und die Stimmung war sehr gut rund ums Zielgelände. Das Resultat selbst sollte man aber nicht überbewerten.


Mitteldistanz Schweizermeisterschaft

In den letzten Jahren war diese Meisterschaft sehr umkämpft:
2004        1. Matthias Merz, 2. Urs Müller +19’’
2005        1. Daniel Hubmann, 2. Marc Lauenstein +22’’
2006        1. Matthias Merz, 2. Daniel Hubmann +5’’
2007        1. David Schneider, 2. Benno Schuler +15’’
2008        1. Matthias Merz, 2. Daniel Hubmann +14’’
2009        1. Daniel Hubmann, 2. Matthias Merz +6’’

Zweimal (2006, 2008) konnte ich wenige Sekunden vor Daniel Hubmann gewinnen. Dieses Jahr war es mit 6 Sekunden wieder sehr eng – aber diesmal zugunsten von Daniel.

ImageMein Rennen war gut, wenn auch nicht super. Auf der ersten Routenwahl zu Posten 4 verliere ich einige Sekunden. Die Route rechts war etwas schneller. Da man die Steigung etwas besser verteilen konnte war sie zudem etwas kräfteschonender, was sich auf der folgenden Teilstrecke noch leicht auswirkt. Danach lasse ich wegen Unsicherheiten zu 6, 10 und 11 wieder wertvolle Sekunden liegen.
Als ich dann zum zweiten Schmetterling kam, erhielt ich die erste Rückmeldung: Marc Lauenstein war soeben auf dem Weg zu Posten 19 als ich die Schlaufe noch vor mir hatte. Ich wusste daher, dass ich leicht zurück lag. Ich versuchte nochmals das Tempo zu erhöhen. Doch kleine Bogen zu 19, 21 und 22 kosteten mich weitere Sekunden. Von Fehlern kann zwar hier nicht die Rede sein, doch es reichte um das Rennen zu entscheiden. So muss ich weiter auf die erste Titelverteidigung in dieser Disziplin warten…

 

Weltcup Mitteldistanz

Knapp eine Woche später lief ich im Rahmen des O-Festivalen in Norwegen die Weltcup-Läufe Nummer 3 und 4. Am Freitag stand eine Mitteldistanz auf dem Programm und am Tag darauf wurde mit Jagdstart über die Langdistanz gelaufen.
Das Gelände war nicht ganz so gut belaufbar wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Tannenwald herrschte vor, was die Sicht meist stark einschränkte und zudem war der Boden oft tief oder steinig. Zusätzlich zum physisch anspruchsvollen Gelände kam die Wärme. Im Monat Juni kann man in Norwegen bei 28° schon von Hitze sprechen.

ImageDer Wald lag sehr nahe der Stadt Oslo und war von einem dichten Pfadnetz durchzogen. Oft war es schwierig alle diese Weglein auf der Karte zu sehen und richtig zuzuordnen. Gleich zu Beginn hatte ich damit etwas Schwierigkeiten. Weil ich mir aber schon im Konzept vorgenommen hatte, durch Stopps Hektik zu vermeiden, führte dies nur zu sehr kleinen Zeitverlusten. Ich versuchte gedanklich immer etwas voraus zu sein und die Karte richtig zu vereinfachen. Nach Posten 7 gab es zum ersten Mal eine längere Teilstrecke. Da man aber auf der ersten Hälfte nie aus der Feinorientierung herauskommen konnte, hatte ich auch hier nicht das Gefühl physisch ganz ans Limit zu kommen. Ich erkannte auch sogleich, dass es hinunter zum Posten sehr schwierig sein würde. Wahrscheinlich atmete ich etwas zu früh auf und war nicht richtig vorbereitet als ich Posten 8 verliess. Mein Plan war es, unten an der grossen Felswand vorbei zu laufen. Den kleinen Hügel auf halber Strecke ignorierte ich einfach. Bei der Felswand angekommen, kontrollierte ich meine Höhe erst gar nicht und merkte viel zu spät, dass ich eigentlich besser oben durch laufen würde. Die Hektik machte sich nun etwas bemerkbar. Ich stellte dies gerade noch frühzeitig fest und las genau Karte. Doch dort,  wo ich die Flagge erwartet hatte, war einfach nichts zu sehen. Ich blieb stehen, versuchte retrospektiv herauszufinden, was passiert war. Doch dies alles half nichts. Ich war immer noch sicher, am richtigen Ort zu sein. Nach über zwei Minuten fand ich schliesslich den Posten – gerade gleichzeitig mit dem Schweden und späteren Sieger Peter Öberg. Mit dem GPS-Sender konnte ich nach dem Lauf sehen, dass ich mich eigentlich von Anfang sehr Nahe am Posten aufgehalten hatte. Warum ich ihn aber nicht sehen konnte, weiss ich nicht genau.
Nach diesem Fehler lief ich stets vor Öberg und machte Tempo. Schon nach einigen Posten kam ich etwas weg und machte so wieder etwas Zeit gut. Im Ziel blieben dann 1:37 Minuten Rückstand und die Gewissheit, dass heute einiges mehr hätte möglich sein können.

 

Weltcup Langdistanz (Jagdstart)

ImageAm Tag darauf wurde mit dem Rückstand der Mitteldistanz gestartet. Es bildeten sich einige Gruppen auf den ersten Posten. So lief ich zusammen mit Hubmann, Adamski und dem späteren Sieger Johanson. Schon früh musste ich feststellen, dass Johanson läuferisch einen super Tag erwischte. Er machte von Beginn weg Tempo. In der Steigung zu Posten 10 liessen wir leicht abreissen. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, dass es über den ganzen Lauf wohl besser ist, seine Kräfte etwas einzuteilen. Dass wir aber deswegen um wenige Sekunden das Spitzentram nicht einholen konnten wusste ich natürlich nicht. So kam es, dass ich auf dem Schmetterling plötzlich ganz alleine auf mich gestellt war. Und prompt unterlief mir ein Fehler von rund einer Minute. Diese Phase des Wettkampfes ist übrigens sehr spannend mit dem GPS-Programm zu verfolgen. Die Abstände waren sehr klein. Dochweil man nicht weit sehen konnte, entging mir die Spannung völlig.
Auf den nächsten Posten lief ich mehr oder weniger alleine. Ich verlor etwas auf der langen Route zu 20 und danach viel Zeit bei Posten 21. Dass mich dort Daniel Hubmann wieder überholte, konnte ich nicht ahnen. Mein Gefühl war aber alles andere als gut und ich vermutete bereits einen grossen Rückstand. Zu Posten 22 nahm ich mir zu wenig Zeit für den Entscheid. Ich sah den kleinen Weg nahe der Verbindungslinie nicht und verlor wieder mehr als eine Minute. Spätestens von da an wich der Spass der Müdigkeit und der Enttäuschung über meine Fehler. Auf dem zehnten Rang rettete ich mich förmlich ins Ziel. Wieder wäre mehr möglich gewesen. Doch in den entscheidenden Momenten des Rennens gelang es mir nicht, fehlerfrei zu bleiben. Ich bin aber überzeugt, dies schon in den WM-Testläufen Ende Woche wieder gut umsetzen zu können.